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Hier finden Sie die Beschreibungen der Vorträge zur Pro Juventute Akademie Fachtagung 2019 »Wohlergehen und das gute Leben für Kinder und Jugendliche«.


Wohlergehen von Kindern aus Sicht des Capability Ansatzes

Wann geht es Kindern gut? Geht es nur darum, dass Kinder möglichst gut zu erfolgreichen Erwachsenen heranwachsen? Oder ist kindliches Wohlergehen etwas Eigenes, das sich mehr oder weniger stark vom guten Leben Erwachsener unterscheidet? Der Vortrag geht davon aus, dass Kindheit für sich eine wertvolle Phase im Leben ist, die man nicht »abgeleitet« vom Erwachsensein beurteilen kann, ohne zu vernachlässigen, dass sich Kinder und Jugendliche beständig weiterentwickeln. Der sogenannte »Capability Ansatz« wird als eine Perspektive vorgestellt, auf deren Basis Kindeswohl in seiner eigenen Komplexität erfasst und evaluiert werden kann. Besonders soll darauf eingegangen werden, welche Befähigungen und Chancen Kinder und Jugendliche brauchen, um eine gute Kindheit zu haben, und wie sich die Verschränkung zum Erwachsenwerden fassen läßt.

Dr. Rebecca Gutwald

ist derzeit Geschäftsführerin des Promotionskolleg »Ethik-Kultur-Bildung für das 21. Jahrhundert« an der Hochschule für Philosophie München und war zuvor  wissenschafltiche Mitarbeiterin an der philosophischen Fakultät der LMU München. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der angewandten Ethik und der Sozialethik, insbesondere zu den Themen der Resilienz und der Perspektive des Capability Ansatzes.

www.gutwald.eu


dimmel

Kinderarmut

324.000 bzw. 18% aller Kinder und Jugendlichen sind in Österreich armutsgefährdet! Kinderarmut freilich ist die teuerste Form sozialer Ungleichheit, die sich eine Gesellschaft überhaupt leisten kann. Sie ist eine Desinvestition in die Zukunft. Die Erscheinungsformen der Kinderarmut sind vielfältig. Sie reichen von Einkommensarmut über Zeit- und Kontaktarmut,   bis hin zu beeinträchtigenden Wohnverhältnissen. Arme Kinder sind häufiger übergewichtig, kariös und lern-beeinträchtigt als der Durchschnitt. Sie zeigen mehr als doppelt so häufig Konzentrationsstörungen wie nicht-armtusgefährderte Kinder.

Immer klarer arbeiten die Sozialwissenschaften Muster der Vererbung von Armut hervor. Inmitten des Österreichischen Wohlfahrtsstaates erzeugen arme Eltern arme Kinder, aus denen wiederum arme Eltern werden. Dieser Reproduktionszyklus folgt dem Modell der Bourdieu´schen Kapitalsorten: arme Kinder haben weniger ökonomisches, soziales, kulturelles und symbolisches Kapital. Vor diesem Hintergrund wird erörtert, welche Defizite die Systeme der Armutsbekämpfung aufweisen und  mit welchen Instrumenten die Armutsgefährdung von Kindern bewältigt bzw. beseitigt werden kann.

Univ. Prof. DDr. Nikolaus Dimmel

»  Lehrgang »Organisationsentwicklung im Gesundheits- und Sozialwesen«
»  Lehrgang Migrationsmanagement
»  Lehrgang »Innovation in der Sozialwirtschaft«
»  Fachbereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
»  Rechtswissenschaftliche Fakultät
»  Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie
»  Kultur- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät

www.nikolausdimmel.at


goettl

Die vielen Formen der Verwahrlosung

Verwahrlosung beginnt im fehlenden Kontakt, der fehlenden Fähigkeit zur Beziehungsaufnahme zum Kind oder Jugendlichen. Wenn primäre Bindungspersonen den Kontakt zu ihrem inneren traumatisierten Kind vermeiden oder gar nie erst Bindung ausreichend erlebt haben, können sie keinen Kontakt aufbauen oder vermeiden diesen. Wie so eine Interaktion nach außen genau aussieht, ist stark sozialisierungsabhängig.

Während arme Familien Gefahr laufen, die physischen Grundbedürfnisse ihrer Kinder zu vernachlässigen, kann sich in reichen Familien die Vernachlässigung insofern zeigen, als sie ihre Kinder mit allem, was als Ersatz für Beziehung dient, etwa Spielkonsolen, Ausbildungsformen vom Kindergartenalter an, etc., überschütten.Wir wollen in diesem Vortrag den vielen Formen der Verwahrlosung nachspüren.

Dr. Christoph Göttl

Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Arzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapeut (Katathym Imaginative Psychotherapie), Paartherapeut, Deeskalationsmanager, Supervisor, Führungskräftecoach

www.kinder-jugendpsychiatrie.at


weiss

Über die Kraft des gemeinsamen Verstehens – das traumapädagogische Bündnis von Profis und ExpertInnen

Mädchen und Jungen, die herausfordernde Lebensumstände überstanden haben, haben auch ein oft intuitives Wissen über die Auswirkungen traumatischer Lebensumstände und vor allem haben sie Strategien entwickelt, diese zu überstehen. Doch oft fühlen sie sich nicht normal, und es ist niemand da, der ihr intuitives Wissen und ihre Strategien würdigt. Wenn Profis ihr Fachwissen zur Verfügung stellen und dieses auf Augenhöhe mit den ExpertInnen überprüfen, entsteht gemeinsames Verstehen.

Dieses gemeinsame Verstehen ist ein Arbeitsbündnis, das die ExpertInnen dabei unterstützt, sich weiterhin selbst zu bemächtigen. Die Verbindung der Profis mit der Kraft der ExpertInnen durch dieses gemeinsame Verstehen gibt Kraft und eröffnet neue Handlungsperspektiven.

Wilma Weiß und ExpertInnen

Diplompädagogin im Unruhestand, Gründerin des Fachverbandes Traumapädagogik, Mitglied im Expert/innenrat und Vorstand des Fachverbandes Traumapädagogik, Referentin bei Wunderkinder Graz und Fachbuchautorin

www.wilmaweiss.de


saurer

Die Bedeutung von Spiritualität im Leben von Kindern

Traumatisierte Kinder und Jugendliche stellen Sinnfragen. Herausfordernde Lebensumstände lassen den Sinn des Lebens hinterfragen. Kinder und Jugendliche, die in ihrer Existenz bedroht waren, fragen zwangsläufig nach dem Sinn, sie beschäftigen sich mit Schuld und Scham, sie suchen nach Erklärungen.

Das Trauma ist ein tiefer Eingriff in das Empfinden, die Gefühle, die Selbstwahrnehmung, das Persönlichkeitskonzept, die Identität, das, was sie über sich denken, über ihr Gestelltsein in der Welt, all das ist erschüttert, gestört und verrückt worden. Die bisherige Weltanschauung wird infrage gestellt. Das absichtslose Geliebt-Sein scheint ausgelöscht. Die Maßstäbe von Gut und Böse, von »schlimm« oder »nicht so schlimm« verschieben sich bis zu dem Punkt, an dem die Pole nicht mehr definierbar sind. Die Erschütterung lässt noch keine Nachvollziehbarkeit zu, nichts davon hat einen Platz gefunden, vielleicht nur einen, der genährt wird von Schuld und Scham.

Aus dieser Tatsache heraus soll der Vortrag Zutrauen darin eröffnen, dass gelebte Spiritualität ohne Konfessionszwang heilsam ist.

Anja Sauerer

Geschäftsführerin und Gesamtleiterin der Antonia-Werr-Zentrum GmbH, Erzieherin, Sozialpädagogin, systemische Beraterin, Traumapädagogin, Ausgebildet im sozialtherapeutischen Rollenspiel und im Management sozialer Einrichtungen, Mitarbeiterin im Institut für systemische Arbeiten (isa-chemnitz), Herausgeberin (mit Wilma Weiß) von: »Hey ich bin normal« im Beltz Juventa Verlag

www.antonia-werr-zentrum.de


Fred_Donaldson

Die Weisheit im Spiel von Kindern als ein Modell für ein gut gelebtes Leben

Fred Donaldson widmet sich in seinem Vortrag speziellen Themen wie der realen Möglichkeit zur bewussten Wahl von Liebe über Angst als unserem handlungsleitenden Motiv, unserer bewussten Entscheidung, wie wir mit unserer Umwelt in Verbindung treten, in Berührung kommen. Und auch auf welche Art und Weise wir der Welt erlauben können, mit uns in Verbindung zu treten, sodass wir Sicherheit und Geborgenheit erfahren.

Fred Donaldson, Ph.D.

Fred Donaldson spielt seit über 40 Jahren auf der ganzen Welt mit Menschen jeden Alters, jeder sozialen oder kulturellen Herkunft, mit Straßenkindern, gewaltbereiten Jugendlichen und Straftätern genauso wie mit Autisten oder Managern, mit Flüchtlingskindern in Flüchtlingscamps im Libanon oder Österreich. Und auch mit wildlebenden Tieren, etwa Grizzlys, Löwen oder Wölfen, Elefanten, Walen oder Schmetterlingen.
Und er hat entdeckt, was sie alle verbindet: ihre Art zu spielen.

www.originalplay.at

furman

Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben 

Ich habe viele Bücher geschrieben, von denen nur eins als das bezeichnet werden könnte, was man einen Bestseller nennt. Es ist in viele Sprachen übersetzt worden, zuletzt im Mai 2018 ins Chinesische. Der Titel dieses Buchs, den auch dieser Vortrag trägt, ist rätselhaft.

Was bedeutet es denn, dass es nie zu spät ist, eine glückliche Kindheit zu haben? Wie könnte das möglich sein? Der Vortrag ist ein Versuch, dieses seltsame Rätsel zu lösen.

Dr. Ben Furman

Psychiater, Psychotherapeut und stellvertretender Direktor des Helsinki Kurzzeittherapie-Instituts, International tätiger Trainer für lösungsfokussierte Kommunikation, Erfinder von Reteaming, eines lösungsorientierten Teambildungsprozesses, Mitbegründer von Kids' Skills / Ich schaff's!, Autor zahlreicher Bücher, Ex-Talkmaster einer psychologischen Talkshow im finnischen TV

www.benfurman.com

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