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Nachbericht: Pro Juventute Fachtagung 2019: »Wohlergehen und das gute Leben für Kinder und Jugendliche«

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»Wohlergehen und das gute Leben – für Kinder und Jugendliche« so lautet der Titel der Pro Juventute Fachtagung 2019. Die Frage nach dem guten Leben ist so alt wie die Fähigkeit des Menschen, nachzudenken und zu reflektieren. Für Kinder bestimmen die Erwachsenen, was als »gutes Leben« für sie erachtet wird und welche Werte in Form der Erziehung vermittelt werden. Was aber sehen Kinder selbst als »Gutes Leben« an?

Pro Juventute Fachtagung 2019

Die Fachtagung der Pro Juventute gehört mittlerweile zu den jährlichen Bildungshighlights in der Szene der sozialen Fachkräfte. 280 TeilnehmerInnen lauschten auch heuer den spannenden Vorträgen internationaler ReferentInnen. Dr. Nikolaus Dimmel und Dr. Göttl zeigten auf, wie sowohl das derzeitige Sozialsystem, aber auch das System der Jugendhilfe das Wohlergehen von Kindern nicht ausreichend absichert.

Kinder müssen sich den angebotenen Produkten anpassen, anstatt  Angebote  zu schaffen, die für die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes passen. Dies führt immer wieder zu Abbrüchen von Unterbringungen, Betreuungen und anderen Hilfeangeboten. »Wenn ich diesen einen Menschen, der wirklich da ist und da bleibt und an mich glaubt, der mit mir den Weg geht, nicht habe«, so Dr. Christoph Göttl, verstärkt sich das Gefühl, dass ich niemandem etwas wert bin. Dies führt zu immer stärkeren Selbstzweifeln, Ohnmachtsgefühlen und dem Gefühl: »Nicht geliebt zu werden«.

Gerade das aber ist es, was Kinder brauchen, weiß die Philosophin Dr. Rebecca Gutwald: Verwirklichungschance und Mitbestimmung! Der Psychiater und Psychotherapeut Ben Furman, der extra aus Finnland angereist war, berichtet,  um wieviel größer der Erfolg sein kann, wenn man Kinder nicht immer auf ihre Probleme hinweist, sondern mit Ihnen daran arbeitet, welche Fähigkeiten Sie erlernen wollen, um ein gutes Leben führen zu können.

Begeistern konnte dann ein Projekt von Wilma Weiß und Anja Sauerer in einem deutschen Jugendheim für traumatisierte Mädchen. Die Mädchen werden dort zu »Expertinnen« für ihr eigenes Verhalten weitergebildet. Dies macht es den Mädchen möglich zu verstehen, warum Sie manchmal „ausrasten“ und können über dieses Verstehen beginnen, ihr destruktives Verhalten zu verändern. Im Sinne einer alltagstauglichen Spiritualität erfahren sie hier : »Hey ich bin normal!« oder: »Da gibt es einen Kern in mir, der immer noch heil ist.«

Weniger wissenschaftlich drückt Andre Stern das grundlegende Bedürfnis von Kindern aus, indem er postuliert: »Sagt euren Kindern nicht, ich habe dich lieb, ABER … sondern: Ich liebe dich, WEIL du genauso bist wie du bist!« Mit dieser Haltung Kindern und allen Lebewesen gegenüber endet die Tagung mit einem berührendem Vortrag von Fred Donaldson, der aus 45 Jahren Erfahrung durch spielen mit Kindern, Erwachsenen verschiedenster Herkunft, mit unterschiedlichsten Diagnosen und  Verhaltensoriginalität, bis hin zu wilden Tieren erzählt.

Mit treffenden Worten spricht Frau DSA Schachtner, Leiterin und Organisatorin der Fachtagung allen aus dem Herzen: »Wenn es der Politik nicht möglich ist, das Wohlergehen von Kindern abzusichern und Liebe alleine nicht genügt, dann braucht es vielleicht wieder mehr Liebe im Miteinander. Vielleicht ist es an der Zeit, von den Kindern zu lernen! Die Offenheit, Toleranz, Kreativität, aber auch die Ausdauer, die Kinder von Geburt an mitbringen, könnte auch in der Welt der Erwachsenen nicht schaden!«

Den Großteil der Vorträge erhalten Sie als Audiovorträge bei Zeit für Bildung: www.zeitfuerbildung.at
Infos dazu lesen Sie im PDF zum Download ...

Zum TV-Beitrag auf RTS Regional TV Salzburg ....

Eine Auswahl der Vorträge und Workshops finden Sie hier ...

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