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Hier finden Sie die Beschreibungen der Vorträge zur Pro Juventute Akademie Fachtagung 2018 "Komm mir (nicht zu) nahe".

Bauer-JoachimZur Neurobiologie der Beziehung – ihre Bedeutung in Pädagogik und Therapie

Am Anfang des Lebens steht Beziehung! Ohne Spiegelung und Resonanz kann das Kind nicht zu einem »Selbst« werden. Anerkennung, Zuwendung und Vertrauen sind der neurobiologische Treibstoff der Motivationssysteme. Das Gehirn belohnt gelungenes Miteinander durch Ausschüttung von Botenstoffen, die gute Gefühle und Gesundheit erzeugen. Kern aller Motivation ist es, zwischenmenschliche Zuwendung, Wertschätzung und Liebe zu finden und zu geben.

Univ.-Prof. Dr. med. Joachim Bauer

Neurobiologe, Facharzt für Innere Medizin, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin, Psychotherapeut,Universitätsprofessor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Projektleiter verschiedener Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Studie »Mindfulness-Based Stress Reduction« in Schulen, Autor vielbeachteter Sachbücher.

www.psychotherapie-prof-bauer.de

BraehlerChristine-Durch Mitgefühl zur nachhaltigen und heilsamen professionellen Präsenz

Personen in helfenden Berufen bedürfen der emotionalen Verbindung zum Gegenüber, um effektiv helfen zu können. Genau diese emotionale Verbindung kann jedoch Ursache von Erschöpfung oder Frust beim Helfer sein, was effektives Helfen verhindert. In Fallbeispielen werden allgemeine Hindernisse im Berufsalltag beschrieben und anhand von wissenschaftlichen Befunden erläutert.

Kognitiv behindert uns meist die Anhaftung an das Erlangen von Veränderung im Gegenüber. Emotional behindert uns meist der Empathieschmerz, der uns überfordert und bis zur emotionalen Gleichgültigkeit führen kann. Mitgefühl beinhaltet die kognitive Komponente der Perspektivübernahme und des Gleichmuts, die uns hilft, mit offenem Herzen zu begleiten, ohne an Ergebnissen anzuhaften und unsere Grenzen zu erkennen. Mitgefühl beinhaltet die emotionale Komponente von Wohlwollen, die uns hilft, uns selbst zu umsorgen, bis wir wieder authentisches und nachhaltiges Wohlwollen für das Gegenüber verspüren.

Dr. Christine Brähler
Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin.

Unter anderem in Compassion Focused Therapy (CFT), Mindful Self-Compassion (MSC) Teacher Trainer international aktiv, Honorary Lecturer, University of Glasgow/GB, Vorstandsmitglied & Director of International Affairs, Center for Mindful Self-Compassion, Autorin „Selbstmitgefühl entwickeln“, Mitherausgeber „Achtsamkeit mitten im Leben“

www.selbstmitgefühl.de

Bütow-birgitBeziehungsmuster im Kontext biographischer Erfahrungen von Care Leavern

Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über das Forschungsprojekt »Biographische Bildungserfahrungen von Care Leavern der Pro Juventute. Subjekt- und generationsbezogene Perspektiven«. Vertieft wird der Frage nachgegangen, wie Kinder und Jugendliche in der Fremdbetreuung pädagogische Beziehungsangebote vor dem Hintergrund ihrer biographischen Erfahrungen (z. B. in Familien oder in Institutionen der Jugendhilfe) annehmen (können), um ihr weiteres Leben zu gestalten.

Univ.-Prof. Dr. Birgit Bütow
Lehrstuhl für Sozialpädagogik, Beratung und Intervention, FB Erziehungswissenschaft Schwerpunkte: Kinder- und Jugendhilfeforschung, Gender- und Jugendforschung, Projektleitung »Biographische Bildungserfahrungen von Care Leavern der Pro Juventute. Subjekt- und generationsbezogene Perspektiven«.

www.uni-salzburg.at

Volmer-JanTaktvolle Nähe

Die Verletzung der emotionalen und körperlichen Grenzen sowie ein Mangel an guten Berührungen dürfte der kleinste gemeinsame Nenner der meisten Kinder und Jugendlichen sein, mit denen wir in Jugendhilfeeinrichtungen zu tun haben. Es leitet sich daraus unsere Aufgabe ab, sowohl ihre Grenzen zu achten als auch angemessene, angenehme Berührungen zu ermöglichen.

Wohl dem, der das für diesen Balanceakt notwendige Taktgefühl aufbringt: Die Zartheit des Taktes zeigt Respekt vor der anderen Seele, in dem sie diese nicht zu nahe, aber auch nie zu fern bleiben lässt. Könnte diese philosophische Perspektive eine Leitplanke für die Nähe-Distanz-Regulation in der pädagogischen Arbeit darstellen?

Dr. phil. Jan Volmer
Dr. phil., Diplompädagoge, Leitung des Main-Tauber-Instituts und des pädagogisch-therapeutischen Bereichs der Jugendhilfe Creglingen e.V., Systemischer Therapeut und Berater (SG), Durchführung von Weiterbildungen in »Traumapädagogik und traumazentrierter, Fachberatung (DeGPT / Bundesverband Traumapädagogik)«

www.main-tauber-institut.de

Dorr-MargretVerliebtheit und Aggression im Kontextpädagogischer Generationenverhältnisse

Die Generationendifferenz in öffentlichen Erziehungseinrichtungen (wie in der Schule) begründet ein Verhältnis zwischen älterer und jüngerer Generation, das sich mal harmonisch, mal konfliktreich gestalten kann.

Schwärmerische Verehrungsliebe, sexuelles Begehren, unehrliche Kameraderie, aber auch erbarmungslose  Ablehnung sind mögliche Formen eines Beziehungsgeflechts, in denen die Generationenschranke verwischt zu werden droht durch beiderseitig verführende, erotisch-sexuelle und/oder aggressive Unklarheit der generationalen Ordnungsstruktur.

In der Perspektive einer psychoanalytischen Pädagogik soll in diesem Vortrag entfaltet werden, dass bei Beziehungen notwendig nicht nur mit ihrer bindenden Qualität, sondern auch mit aggressiven Komponenten zu rechnen ist. Des Weiteren wird die sexualisierte Verwischung generationaler Andersheit als Beispiel einer Zuspitzung anderer möglicher Verunklarungen generationaler Distanz- und Nähe-Beziehungen aufgegriffen und für ein sensibles Gewahrwerden der Hinterbühne emotionaler Ambivalenzen im pädagogischen Generationenverhältnis plädiert.

Prof. Dr. phil. Margret Dörr
Dipl. Sozialpädagogin (FH) und Dipl. Soziologin, Ausbildung in gestalttheoretischer Psychotherapie, Professorin an der KH Mainz, Fachbereich Soziale Arbeit.

Ehemalige Vorsitzende der Kommission Psychoanalytische Pädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), Arbeitsschwerpunkte: Theorien sozialer Arbeit, Biografie- und Sozialisationstheorien, Psychoanalytische (Sozial-)Pädagogik, Psychopathologie und abweichendes Verhalten.

Thiersch-HansThiersch-RenateNähe und Distanz in der lebensweltorientierten sozialen Arbeit

Professionelle sind in der Regel nicht Mitglied der Lebenswelt ihrer AdressatInnen, sie haben Arbeitszeiten und werden bezahlt. Sie sind unabhängig von Bestätigung, Lob und Kränkungen durch die AdressatInnen. Ihre Leistung bestimmt sich nach den professionellen Standards. Lebensweltorientierte Professionalität fordert jedoch Einmischung, Sich-Einlassen, Verhandeln und damit offene Übergänge zwischen der Lebenswelt der AdressatInnen und des professionell Agierenden. Dazu braucht es »strukturierte Offenheit«, indem sich die Offenheit im Arbeitszugang mit der Struktur der Arbeitsverhältnisse so verbindet, dass sie nicht als Selbstzweck, sondern aufgabenorientiert praktiziert werden kann.


Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Thiersch
Von 1970 bis 2002 Professor für Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik an der Universität Tübingen, Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden und der Universität Lüneburg, Verleihung des Ernst-Christian-Trapp-Preises der DGfE 2010, Verleihung des ConSozial-Wissenschaftspreises für das Lebenswerk 2016.

Renate Thiersch
Erziehungswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Frühpädagogik, Wissenschaftliche Assistentin, Projektmitarbeiterin und Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen seit 1971.

www.hans-thiersch.de

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